Mit der Schere im Kopf geht es nicht besser

Die Berichterstattung der westlichen Medien über den Ukraine-Konflikt ist deutlich von der Politik geprägt. Es herrscht wieder einmal Kalter Krieg. Da will die Politik mit den Säbeln rasseln und die Medien müssen dafür die Zustimmung erzeugen. Allmählich scheint sich die Erkenntnis ihren Weg zu bahnen, dass man es dabei übertrieben hat. Der Programmbeirat der ARD hat auf die starke Publikumskritik reagiert und sich ein eigenes Bild über die Berichterstattung gemacht. Das Fazit sollte ernüchternd sein: Nach der Sichtung von etwa drei Vierteln der Sendungen zwischen Ende 2013 und Juni 2014 kam der Beirat zum Ergebnis, „dass die Berichterstattung im Ersten über die Krise in der Ukraine teilweise den Eindruck der Voreingenommenheit erweckt hat und tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen gerichtet war.“

Thomas Baumann, Chefredakteur der ARD, wies den Vorwurf einer einseitigen und tendenziösen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt energisch zurück. Schließlich gäbe es ja zahlreiche Beiträge, die in der Summe die Lage in der Ukraine und die Ursachen der Krise differenziert und unter verschiedenen Aspekten thematisierten. Die Korrespondenten vor Ort müssten unter schwersten Bedingungen arbeiten, um die Zuschauer umfassend und so wahrheitsgetreu wie möglich zu informieren.

Moment. So wahrheitsgetreu wie möglich? Was schränkt diese Möglichkeiten ein? War es zum Beispiel für Udo Lielischkies zu gefährlich, sich einem Autokorso in Donezk für Filmaufnahmen zu nähern, so dass er auf den üblichen Berufsverkehr auswich? War es nicht möglich oder gar gefährlich, beim Filmen von rund 300 eher gelangweilt wirkenden Angestellten mit der Kamera über das sonst leere Stadion zu schwenken? Andere haben das geschafft.

Oder waren die Möglichkeiten dadurch eingeschränkt, dass entsprechend der politischen Vorgaben der normale Verkehrsfluss zum Korso und 300 Menschen zu Zehntausenden „korrigiert“ werden mussten? Der Zuschauer erfährt nicht, wo diese offenkundige Fälschung am 20. Mai erfolgt ist. Ob beim Reporter vor Ort oder in der Redaktion der „Tagesthemen“. Solche Tatsachen zurückzuweisen, zeigt aber einen Hang zu Informationen, die eben nicht der Wahrheit entsprechen.

Nun können andere Medien erleichtert darüber berichten, was bei der ARD aufgeflogen ist. Aber vielleicht betrachten sie auch selbstkritisch ihre eigenen Archive.

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