Die Ukraine in der Tagesschau

ARD-aktuell hat am 29. September eine Zwischenbilanz veröffentlicht zur Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt in der Tagesschau. Darin heißt es:

Die scheinbare Wiederkehr von Kaltem Krieg und Ost-West-Konflikt scheint aber die Gemüter viel stärker zu bewegen als andere Konflikte. Deshalb nehmen wir Kritik sehr ernst. Wir widersprechen aber ganz energisch den Vorwürfen einer gezielten Desinformation oder beabsichtigten Manipulation von Informationen in der Tagesschau. Wir haben stets nach bestem Wissen und Gewissen sowie sorgfältiger Recherche berichtet. Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen oder in der Berichterstattung nun gar “gegenzusteuern”.

Selbstkritisch (als Reaktion auf die massive Fremdkritik) stellt die Redaktion fest:

Mit dem Wissen von heute hätten wir manchen Akzent anders gesetzt und manche Formulierung anders gewählt (hinterher ist man halt schlauer). Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt. Vielleicht hätten wir rechte Gruppierungen in der Ukraine früher thematisieren sollen. […] Vielleicht haben wir die russischen Interessen zu wenig für den deutschen Zuschauer “übersetzt”. Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.

Man gibt sich also den Anschein, „die russischen Interessen“ zu kennen und nur „übersetzen“ zu müssen für den deutschen Zuschauer. Die NATO-Positionen hinterfragen? Das wäre neu für die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die wir, das Volk, finanzieren. Aber man hätte ja können, eventuell, vielleicht…

ARD als Arbeitgeber – das macht einen wirklich guten Eindruck.

Ausdrücklich haben wir in der Diskussion unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten vor Kritik in Schutz genommen. Sie haben unter physisch und psychisch äußerst strapaziösen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Sie haben zu jeder Zeit gewissenhaft recherchiert. Dabei ist klar, dass die Recherche auf Seiten der Separatisten zeitweise nicht möglich war und die Informationen der ukrainischen Seite interessengesteuert waren. Insgesamt haben sie exzellente Arbeit geleistet. Die Korrespondenten verdienen unseren Respekt und unsere Rückendeckung.

Aber eine grundsätzliche Frage bleibt völlig unberührt und offen: Die Kritik kam von den Zuschauern. Im Nachhinein wird sie als berechtigt anerkannt. Mit Ausnahme der „Spielwiese für Verschwörungstheoretiker“ natürlich. Woher hatten aber die Zuschauer zu Hause die Informationen, auf deren Grundlage sie kritisieren konnten? Wie kann es sein, dass deren andere Informationen sich als besser erweisen als die unter großen Gefahren und Belastungen in der fernen Ukraine recherchierten?

Diese Selbstkritik kann nicht überzeugen. Zum einen ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, wie ein Kommentator treffend anmerkte. Es reicht auch nicht, auf den falschen Hubschrauber hinzuweisen, um transparenten Umgang zu behaupten. Angesichts anderer Fälschungen, die sich nicht mit „es war nicht besser möglich“ erklären lassen, ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein, die Ausnahme, mit der die Regel eher bestätigt wird.

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