Von wem geht ideologisch motivierte Gewalt aus?

Die Frage in der Überschrift ist ketzerisch. Bewusst ketzerisch. Beim Stichwort „ideologisch motivierte Gewalt“ sehen wir sie doch direkt vor unseren geistigen Augen. Kurzer Haarschnitt, oft Glatze, typische Kleidung, die fast zu einer Uniform wird, laut gröhlend. Und gut organisiert sind sie auch, wenn sie zu ihren Demonstrationen marschieren. Auf der anderen Seite sehen wir auch politisch motivierte Menschen. Überwiegend junge, friedliche Gegendemonstranten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, dem braunen Mob die Straße nicht zu überlassen. Das Bild erscheint sehr schnell, da müssen wir gar nicht denken. Warum eigentlich nicht? Wäre es nicht besser, dieses Nach-Denken?

In Berlin war eine Demonstration angekündigt. Hooligans gegen Salafisten. Wie zuvor in Köln. Und doch gab es einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied.

„Das deutsche Volk wehrt sich“ sollte das Motto der Kundgebung ab 11:30 Uhr auf dem Alexanderplatz sein. Etwa 300 Gegendemonstranten aus der „Mitte der Gesellschaft“ hatten sich eingefunden. Sie zeigten sich z.B. als Mitglieder der Antifa, der Piratenpartei und des Studierendenverbands der Linkspartei.

Gegen 9 Uhr sagte der Veranstalter die Demonstration ab. Dabei hat er wohl vergessen, auch die Gegendemonstranten zu informieren. So standen sie nun da und hatten niemanden, gegen den sie demonstrieren konnten. Etwa 30 Leute „aus dem rechten Spektrum“, also sicher solche, wie wir sie oben vor unserem geistigen Auge hatten, wollten sich das Schauspiel ansehen. Aber die Polizei schickte sie weg. Nun sollte man meinen, die hätten dagegen protestiert, sich beschwert und vielleicht sogar randaliert. Aber weit gefehlt. Das holten die Gegendemonstranten nach und gingen auf die Polizisten los. Die Anreise sollte wohl doch nicht ganz umsonst gewesen sein.

Viele der Geschäfte im S-Bahnhof Alexanderplatz, der als Einkaufsbahnhof beworben wird, hatten sicherheitshalber vorübergehend geschlossen. Die Frage, vor wem die Inhaber Angst hatten, dürfte schnell geklärt sein. Die Polizei war wohl nicht die Ursache.

Zusammenstöße mit Polizei: Mehrere Festnahmen

Interessant ist dabei, wie der Journalismus in der Bundesrepublik funktioniert. Der „Tagesspiegel“ berichtet über das Ereignis in einer Bildunterschrift mit den Worten

Polizei und Demonstranten stehen sich am Alexanderplatz gegenüber.

Unter einem anderen Bild mit den Worten

Geschätzt dreihundert Demonstranten, vor allem aus der linken Szene, hatten sich am Alexanderplatz versammelt, um gegen die – abgesagte – Nazidemonstration zu protestieren.

Damit ist den erforderlichen Schubladen Genüge getan. Diejenigen, die nicht dort waren, sind Nazis. Das hat mit den Bildern in den Köpfen zu tun. Und nicht etwa mit denjenigen, die in der Manier der SA gegnerische Veranstaltungen zu verhindern versuchen. Ob die stattfinden oder nicht.

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5 Gedanken zu „Von wem geht ideologisch motivierte Gewalt aus?

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