Unwidersprochene Geschichtsklitterung bemängelt

In einem am Abend des 07. Januar 2015 in den ARD-Tagesthemen ausgestrahlten Interview hat der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazeniuk die Bundesrepublik um Hilfe gebeten. Weder die Journalistin Pinar Atalay, die das Interview mit ihm führte, noch Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der er sich am nächsten Tag traf, oder irgendeine andere Stelle der Bundesregierung zu einem späteren Zeitpunkt gingen auf seine skandalöse Behauptung ein: „Wir alle erinnern uns gut an die Invasion der Sowjetunion in Deutschland und die Ukraine.“ (Interview bei 1:12 min)

Zwei Tage ist nichts passiert. Es scheint niemanden gestört zu haben, dass Jazeniuk mal eben die Geschichte des Zweiten Weltkriegs für seine Propaganda passend schreiben wollte. Dann hat das russische Außenministerium eine offizielle Protestnote an die Bundesregierung geschickt.
Die russische Nachrichtenagentur TASS meldete am 09. Januar:

Moskau hat um eine offizielle Stellungnahme Berlins zu den Worten des ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk über den „Angriff der Sowjetunion auf Deutschland und die Ukraine“ gebeten, sagte der Erste Vizeaußenminister Wladimir Titow.

„Wir haben eine Note an das Auswärtige Amt geschickt, um eine offizielle Stellungnahme der BRD im Zusammenhang mit den extremistischen Aussagen von Ministerpräsident Jazenjuk anzufordern, die die Geschichte verfälschen,“ – sagte Titow.

Boris Spiegel, der Präsident der internationalen Menschenrechtsbewegung „Die Welt ohne Nazismus“ forderte den Rücktritt des ukrainischen Ministerpräsidenten. „Jazenjuks Äußerungen auf europäischer Ebene sprengen den Rahmen des Zulässigen“, sagte er. „Wir dürfen nicht zulassen, dass ein derart ranghoher Politiker solche Erklärungen unbestraft abgibt.“

Es war wieder einmal eine deutliche Zurschaustellung, wie Journalismus und Politik Hand in Hand gehen, wenn es darum geht, die Bevölkerung mit Lügen zu manipulieren. Man mag über Ursachen und Hintergründe der Weltkriege unterschiedliche Ansichten haben. Aber dass nicht die Sowjetunion Deutschland überfallen hat, sondern die deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 nach dem Plan „Barbarossa“ in die Sowjetunion einmarschierte, ist eine unbezweifelbare Tatsache. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass sie von 600000 Soldaten aus Ungarn, Rumänien, Finnland, der Slowakei und Italien unterstützt wurde. Für die antirusssische Kriegspropaganda wird das Ansehen der Toten mit Füßen getreten. Das durch unsere Zwangsbeiträge finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen strahlt solche offenkundigen Lügen aus. Und die Bundesregierung schweigt dazu und deckt somit diese Geschichtsklitterung.


Nachtrag:

Bundesregierung verweigert Russland Stellungnahme zu Jazenjuks Aussagen bei ARD-Interview

Hierzu erübrigt sich jeder Kommentar.

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Ein Gedanke zu „Unwidersprochene Geschichtsklitterung bemängelt

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