Was passiert da eigentlich in der Ukraine?

Wir nennen es Bürgerkrieg, wenn in einem Land verschiedene Gruppen gegeneinander Krieg führen. „Häufige Ursachen für Bürgerkriege sind gewaltsame Regierungswechsel z. B. wegen des Sturzes von Diktatoren, Putschversuchen oder Revolutionen und Autonomie- beziehungsweise Sezessionsbestrebungen ethnischer oder nationaler Minderheiten“ beschreiben es die Autoren des Artikels bei Wikipedia. Eine Sezessionsbestrebung, also die Abspaltung, scheint auch in der Ukraine die Ursache zu sein.

Aber nutzen wir doch einmal unserem räumlichen Abstand, um auch einen inhaltlichen zu gewinnen. Was war da eigentlich alles passiert, damit jetzt EU-Kommissare nach Weißrussland fliegen, um sich zur Eurasischen Zollunion zu gesellen?

Lesser Coat of Arms of Ukraine.svg
Lesser Coat of Arms of Ukraine“ von Alex Khristov
Design: Wasyl Krytschewskyj – Drawn to specifications from http://search.ligazakon.ua/l_doc2.nsf/link1/T213700.html. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.
  1. Da war das unbefugte Eindringen eines Konvois mit Hilfsgütern aus Russland in die Ukraine.
  2. Da war die Not der Bevölkerung in den umkämpften Regionen der Ostukraine.
  3. Da war ein Flugzeug, das über diesem Gebiet abgestürzt ist.
  4. Da war ein Konflikt um die Halbinsel Krim.
  5. Da war der offene Gewaltaufruf eines an die Macht geputschten Präsidenten.
  6. Da waren blutige Demonstrationen auf dem Maidan-Platz.
  7. Da war das Kompromissbestreben eines gewählten Präsidenten.
  8. Da war eine zwei Jahrzehnte lange Unentschlossenheit über die Zukunftsorientierung eines Landes.
  9. Da war eine Sezession.
  10. Da war ein 74jähriges Stillhalten.
  11. Da war eine Demonstration der Macht eines Ersten Sekretärs.
  12. Da war eine Sezessionsabsicht.
  13. Da war eine Migrationsbewegung.
  14. Da war ein Krieg im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Die zeitlichen Abstände der angeführten Ereignisse ändern sich. Im Rücklick scheinen sie sich zu verlängern. In der üblichen chronologischen Reihe verkürzen sie sich, überschlagen sich beinahe dort, wo wir das Ende vermuten könnten. Und doch sind sie unvollständig, wie bald zu sehen sein wird. Denn spätestens ab Punkt 9 sind Dinge geschehen, die eine Einschätzung der Geschehnisse in der Ukraine als Bürgerkrieg in Frage stellen.

Aber sehen wir es uns doch einmal den Verlauf der Entwicklungen und ihre Verflechtungen genauer an.

Die Eurasische Zollunion und die Ukraine

Die Eurasische Zollunion ist eine derzeit durch Russland, Weißrussland und Kasachstan gebildete Wirtschaftsvereinigung.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion suchten einige der daraus separierten jungen Staaten neue Wege der Zusammenarbeit ihrer Volkswirtschaften mit anderen. Die 2010 gegründete Eurasische Zollunion ist eine Reaktion auf den Anschluss Litauens, Lettlands und Estlands an die EU im Mai 2005, entspricht aber auch dem Statut der GUS. >>>

EU ohne NATO – ist das möglich?

Um es in einem Wort zu sagen: Ja.

Eine Mitgliedschaft in der EU ist nicht an eine Mitgliedschaft in der NATO gebunden. Umgekehrt auch nicht. Diese Übersicht europäischer Staaten, die Mitglieder in NATO, EU und/oder im Euro-Währungsverbund sind, bestätigt es. >>>

Und für die Ukraine?

Wäre eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU möglich ohne Mitgliedschaft in der NATO?

Durchaus! Wenigstens theoretisch. Sehen wir uns aber einmal an, warum diese Konstellation für das westliche Wirtschafts- und Militärbündnis nicht erstrebenswert ist.

Dazu ein kleiner Ausflug in die jüngere Geschichte zum besseren Verständnis. >>>

Geschichte der Ukraine

Die Geschichte ist sehr vielfältig, wenn man die geografische Region Ukraine betrachtet. Das Gebiet wurde schon in der Altsteinzeit besiedelt. Steinbabas belegen eine religiöse Kultur in der Kupfersteinzeit. In vorchristlicher Zeit siedelten sich Pontosgriechen an der Schwarzmeerküste und auf der Krim an. Dabei stießen sie auf das Hirtenvolk der Taurer und die Reiternomaden der Skythen. >>>

Der Staat Ukraine

Die Ukraine existiert seit über 1000 Jahren als besiedelte Region. Ab 1917 gab es für knapp zwei Jahre eine Ukrainische Volksrepublik und eine West-Ukrainische Volksrepublik, die 1919 vereinigt wurden. Die West-Ukraine war allerdings ein halbes Jahr später von Polen besetzt und fiel an Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei. Die übrigen Gebiete wurden Russland angeschlossen. Daraus wurde 1922 mit der Gründung der UdSSR die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik. >>>

Euromaidan

Der Versuch des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, vor der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU die wirtschaftliche Partnerschaft mit Russland auf ein gleichwertiges Niveau anzuheben, hatte weitreichende Folgen. In Moskau stieß sein Vorhaben auf wohlwollendes Interesse. Ganz und gar nicht begeistert waren die Eurokraten in Brüssel. Erst hatte sich Janukowytsch als harter Verhandlungspartner bei den Details des Vertrages gezeigt. Dann hat man sich endlich einigen können. Aber schon wurde eine Bremse eingelegt. Es passt so gar nicht zur EU, die nationalen Interessen eines Landes an erster Stelle zu sehen. Sei es ein Mitgliedsland oder ein Aufnahmekandidat. War Janukowytsch eher ein Störfaktor? >>>

Der Putsch in Kiew

Die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, das  im Grunde bereits fertig ausgehandelte Assoziierungsabkommen mit der EU noch nicht zu unterzeichnen und zuvor eine ähnliche Grundlage für den wirtschaftlichen Austausch mit Russland vorzubereiten, brachte die EU-Befürworter in Aufruhr. Offiziell hat die EU alles der Ukraine überlassen. „Es ist Sache der Ukraine, frei zu entscheiden, welche Form der Bindung sie mit der EU sucht“, sagten unisono der EU-Rats-Präsident Herman van Rompuy und der EU-Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso. Sie überließen es in erster Linie der Presse, die ihre Interessen unterlaufenden Bestrebungen, die ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen zum russischen Nachbarn auf eine vergleichbare Stufe zu heben, als „Druck aus Moskau“ darzustellen. >>>

Warum die Ostukraine?

Sicher fragt sich mancher, warum es gerade in der Ostukraine Probleme gibt und warum gerade jetzt. Russen und Ukrainer haben in der Geschichte gezeigt, dass sie mit Menschen anderer Nationalitäten friedlich zusammenleben können und wollen. Die Russen und die auch „Kleinrussen“ genannten Ukrainer haben im Staat Ukraine friedlich zusammengelebt. So wirklich verschieden sind sie gar nicht. Es gibt auch viele Mischehen. Warum also gerade die Ostukraine? >>>

Die Ukraine – strategisch wichtig als Konfliktherd

Der Konflikt in der Ukraine hat also mehrere Ursachen. Für die USA geht es um drei wesentliche Aspekte dabei. Ganz oben steht die geografische Lage in der unmittelbaren Nachbarschaft der Weltmacht Russland. Während die Länge der Grenzen zu den amerikanischen NATO-Partnern Norwegen nur 196 km, zu Estland immerhin 334 km und zu Lettland 217 km beträgt, zusammen also 747 km, ist die gemeinsame Grenze mit der Ukraine mit 1576 km gleich mehr als doppelt so lang. Ein ideales Aufmarschgebiet für das Militär. Gleichzeitig würden mit der Ukraine die beiden Bänder von den USA abhängiger Länder im Süden und im Westen Russlands vereinigt. Nur noch Weißrussland wäre der festen Umarmung im Wege. >>>


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Ein Gedanke zu „Was passiert da eigentlich in der Ukraine?

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