Und für die Ukraine?

Wäre eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU möglich ohne Mitgliedschaft in der NATO?

Durchaus! Wenigstens theoretisch. Sehen wir uns aber einmal an, warum diese Konstellation für das westliche Wirtschafts- und Militärbündnis nicht erstrebenswert ist.

Dazu ein kleiner Ausflug in die jüngere Geschichte zum besseren Verständnis.

Anfang der 1990er Jahre, als durch Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika die politische Macht des Kreml über die „sozialistischen Bruderstaaten“ zugunsten einer autonomen Verantwortung gelockert wurden, gab es im wirtschaftlichen Bündnis des RGW zwei Vielvölkerstaaten. In der Sowjetunion wie in Jugoslawien wurden Menschen unterschiedlicher Nationalität, Kultur und Sprache zentral regiert. Was aus politischer Sicht sinnvoll erscheint – denn Einigkeit macht stark – kann durchaus ein psychologisches Pulverfass sein. Menschen identifizieren ihre persönliche Gruppenzugehörigkeit über Sprache und Kultur, aber auch über Religion und historische Wurzeln. So entstehen unterschiedliche Ansichten über die Nationalität. Während die einen sie ethnisch als Volkszugehörigkeit betrachten, die Ländergrenzen überschreiten kann, sehen die anderen sie politisch als Staatszugehörigkeit, die selbst Sprachbarrieren zu überwinden vermag.

Diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen bei klarer Dominanz der politischen haben bei den Menschen zu Feindseligkeiten geführt. Diese waren latent vorhanden, aber über Jahrzehnte unterdrückt. Das Streben nach Aufheben der als Bevormundung empfundenen Zentralverwaltung führte zu zahlreichen Separatisten-Bewegungen. Der öffentliche Sprachgebrauch ist dabei subtil wertend. Während wir „Separatisten“ ablehnend bewerten, haben „nationale Befreiungsbewegungen“ eine positive Attraktivität. Wie alle, die sich von einer bestehenden Macht zu lösen versuchen, hatten auch die nationalen Befreiungsbewegungen der Sowjetunion und Jugoslawiens das Problem, nicht über die notwendige Stärke zu verfügen. Sie suchten Hilfe im Ausland – und bekamen sie. Ein Spekulant, der aber lieber als Starinvestor und Philanthrop gesehen werden möchte, half den Separatisten aus der finanziellen Klemme. Das Finanzimperium des gebürtigen Ungarn György Schwartz, der mit 26 Jahren in die USA übersiedelte und sich seitdem George Soros nennt, investierte in viele dieser nationalen Bewegungen, die dadurch neue, unabhängige Staaten gründen konnten. So entstand vom Finnischen Meerbusen bis zur Adria ein Band von Ländern, die untereinander uneins sind, aber vereint in der finanziellen Abhängigkeit von den USA. Ein weiteres solches Band entstand von Kasachstan an der Westgrenze Chinas bis zum Schwarzen Meer.

politische Karte Europas

politische Karte Europas

Die Einbindung dieser Länder in das westliche System hat vor allem eine große wirtschafts- und militärstrategische Bedeutung, die gleichzeitig auch die wirtschaftliche Stärke der EU und die militärische der NATO verdeutlicht: Das Band um die Weltmacht Russland lässt sich enger ziehen.

ehemalige Sowjetrepubliken

ehemalige Sowjetrepubliken

ehemaliges Jugoslawien

ehemaliges Jugoslawien

NATO 1990

NATO 1990

Das Band wird enger

Das Band wird enger, auch um Russlands Verbündeten Serbien.

NATO heute

NATO heute

Betrachten wir die geografische Lage der Ukraine, dann wird ihre Bedeutung deutlich. Sie auf eine EU-Mitgliedschaft vorzubereiten, würde eine wirtschaftliche Herausforderung. Es lohnt sich dennoch, wenn sie auch NATO-Mitglied würde. Denn damit wäre das militärische Bündnis des Westens deutlich näher an Russland.

Und was ist mit Weißrussland? Dieser Staat wäre noch übrig.

 

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2 Gedanken zu „Und für die Ukraine?

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